Römermann | Kümmerle
Römermann, Volker; Kümmerle, Götz: Don KI-Jote. Zwischen Prompt und Paragraphen kämpfen Organe der Rechts- und Steuerrechtspflege gegen KI-Windmühlen, 1. Auflage, Verlag C.H.Beck, München 2026, 267 S., ISBN 978-3-406-84811-7, 29,80 Euro
Offensichtlich ist der Respekt vor dem § 203 StGB groß genug, dem sinnvollen Nutzen von Künstlicher Intelligenz in einer Kanzlei noch allzu oft aus dem Wege zu gehen. Dabei gibt es schon eine ganze Reihe von wirklich guter Literatur, die einer korrekten Verwendung den Weg ebnen. Dieses Buch gehört dazu.
Eine interessante Gestaltung lockert das Buch angenehm auf. Kommentare von eingeladenen Autoren aus Wirtschaft, Recht und Verwaltung nämlich ergänzen die Kernaussagen in den Kapiteln. Das Layout wird durch diese Kommentare in Form von „Post-its“ aufgebrochen, so dass sie grafisch hervorgehoben sind. Gleiches geschieht durch farbliche Ergänzungen aus den Bereichen Kultur, Technik und Jura.
Doch zum Inhalt: Der Prolog noch vor dem Entree (Vorwort) in das Buch mit der fiktiven Beschreibung einer KI-Welt in der Justiz hat durchaus schon belletristischen Charakter. Die Autoren machen deutlich, dass es ohne Künstliche Intelligenz auch im Recht und Steuerrecht nicht mehr gehen wird, auch wenn man dazu noch einiges zu tun hat. Sie beschäftigen sich anschließend intensiv auf den Begriff der Organschaft. Gemeint ist das „unabhängige Organ der Rechtspflege“ im § 1 der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) und das „unabhängige Organ der Steuerrechtspflege“ im § 32 Abs. 2 des Steuerberatungsgesetzes (StBerG), die in der historischen Entwicklung und Bedeutung vorgestellt werden. Offensichtlich, so wird provokant formuliert, ist es dieser Begriff bzw. dessen Bedeutung, der einer Reform der Anwaltstätigkeit im Wege steht. In einem Beispiel jedoch wird aufgezeigt, dass Künstliche Intelligenz nicht nur imitieren, sondern in bestimmten Bereichen auch verlässlich anwenden kann.
In der Konsequenz können auch Nicht-Anwälte hochqualitative Rechtsinformationen liefern, wodurch das Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG), so die Autoren, unter Druck geraten kann. Denn das RDG soll bekanntermaßen unqualifizierte rechtliche Beratungsleistungen verhindern. Jetzt stellen die Autoren die Frage, wer künftig Rechtsberatung anbieten darf, eine Frage, die auch von einem Gastbeitrag im „Post-it“ aufgeworfen und zur Diskussion gestellt wird. Daran anschließend wird auch über die Zukunft der Honorargestaltung eingegangen.
Römermann und Kümmerle lassen Euphorie so leicht nicht aufkommen. Sie verweisen auch auf die kritischen Punkte, die mit der Verwendung von KI einhergehen. Die Tatsache, dass die Antworten der KI zwar im Gutachterstil verfasst sein können, sollte nicht mit rechtlicher Legitimation verwechselt werden. Die gut fundierte Analyse in dem Werk beschreibt die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf das Rechtssystem. Das Plädoyer der Autoren zeigt die Richtung auf, die Juristen künftig gehen sollen: KI nicht bekämpfen, sonder zielgerichtet und verantwortungsvoll einsetzen. Dies aufzuzeigen gelingt ihnen in dieser praxisnahen Lektüre.
Das Buch wendet sich an Juristen, Anwälte, Richter und Rechtswissenschaftler, die sich mit KI in ihren Berufen auseinandersetzen wollen und demzufolge sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen meistern müssen. Da der Don KI-Jote semantisch und wie erwähnt auch grafisch sehr gut gestaltet wurde, ist das Werk auch leicht verständlich.